I: Grenzkonzepte. Wahrnehmung und Gestaltung von Grenzräumen in Europa

Ulrich Fröschle (TU Dresden): Risiko und Lob der Grenze? Zu den Konjunkturen der Grenzen

Grenzen als Konzept haben Konjunkturen – theoretisch wie politisch und kulturell: Vom Marginalisieren von Unterschieden und mithin von Grenzen, von normativen Konzepten der Grenzüberschreitung oder -auflösung bis hin zur bewußten Grenzsetzung und Abgrenzung reicht hier das Spektrum, das diese Konjunkturen in diversen Denk- und Handlungsfeldern durchlaufen. Nicht selten kann eine Analyse solcher Konzepte und ihrer jeweiligen Virulenz das Phänomen aufweisen, daß explizite Konzeptualisierung und Anwendungspraxis fallweise weit auseinanderklaffen, also etwa Grenzen in praxi gesetzt und exekutiert, konzeptionell dabei gleichzeitig negiert werden. Nach einer Übersicht über diverse Konzeptionen von Grenzen, Grenzräumen usw. in historisch-systematischer Perspektive ist die genannte Problematik in Bezug auf die ›Erkenntnismetapher‹ der ›Grenzrisiken‹ eingehend zu diskutieren.


 

Steffen Höhne (HfM Weimar): Magris, Braudel und Abulafia. Kulturelle Konstruktionen von Räumen

Folgt!


 

Johannes Kleine (FU Berlin): Teleologie und Paradoxon: Zur Betrachtung von Grenzen in der Gegenwartsliteratur

Folgt!


 

Anett Pollack (TU Dresden): Grenzräume und Grenzerfahrungen in dystopischer Kinder- und Jugendliteratur

Befragt wird die Bestseller-Trilogie Die Tribute von Panem der US-amerikanischen Autorin Suzanne Collins im Hinblick auf die Fragestellung, inwiefern  die Raum- und Grenzkonzepte des dystopischen Romans die Identitätsentwürfe der adoleszenten Figuren beeinflussen. Dabei wird nach folgender Struktur verfahren: Die Darstellung raumsemantischer Felder der narrativen Welt „Panem“ schließt Aussagen zur raumgebundenen Identitätskonzeption ein. Darauf aufbauend wird untersucht, welche Auswirkungen Störungen dieser Raumkonzepte sowie medial inszenierte Entgrenzungserfahrungen auf eine personale und kohärente Identitätsgestaltung besitzen. Zuletzt steht zu prüfen, ob unter der Bedingung der dystopisch inszenierten Dekonstruktion genannter Konzepte begrenzte Rückzugsräume modelliert werden können. Der Analyse liegt das strukturalistisch-semiotische Raummodell Juri Lotmanns, zugrunde, welches hier auf einen Text übertragen werden soll,  der sich selbst im Grenzraum – zwischen Jugend- und Erwachsenenliteratur – bewegt.